Mouse: P.I. For Hire im Test: Shooter mit Comic-Gewalt

Mouse: P.I. For Hire ist eine visuelle Offenbarung, die den Comic-Charme der 30er Jahre mit dem Wahnsinn eines modernen Shooters kurzschließt. Zwar hätten Gegnervielfalt und Detektiv-Gameplay mehr Tiefe vertragen, doch insgesamt bleibt ein originelles Spiel mit viel Herz und Humor.

Was ist Mouse: P.I. For Hire?

Ein Run-&-Gun-Shooter, der die Ästhetik von 1930er-Jahre-Cartoons mit knallharter Noir-Action kombiniert. Das Spiel kostet 29,99 Euro, setzt auf handgezeichnete Animationen, ein kreatives Waffenarsenal sowie Detektiv-Elemente und ist für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und die Nintendo Switch 2 erhältlich.

Die Idee hinter Mouse: P.I. For Hire klingt wie ein Pitch nach drei Whiskeys: Walt Disney trifft auf Quentin Tarantino. Überraschend ist weniger das Konzept als die Konsequenz, mit der es umgesetzt wird: Das Spiel quillt über vor Details, Zitaten und Referenzen – von klassischen Cartoons über Hardboiled-Detektivgeschichten bis zu Run-&-Gun-Ikonen wie Doom und Duke Nukem 3D.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: der markanten Schwarz-Weiß-Optik, die euch direkt in eine andere Ära katapultiert. Der sogenannte „Rubber-Hose“-Stil, bei dem Gliedmaßen fließen wie gekochte Spaghetti und Hintergründe wirken, als wären sie auf einer Staffelei in den Burbank Studios entstanden, entfaltet eine unverwechselbare Atmosphäre.

Schwarz-weiß, grobkörnig, bewusst unperfekt – und genau deshalb so präzise in der Wirkung. Das Spiel trifft den spezifischen Ton früher Cartoon-Klassiker, wie man ihn auch von den Fleischer Studios kennt: verspielt, leicht entrückt und stets einen Hauch surreal. Man wartet förmlich darauf, dass Betty Boop ins Bild wackelt und ein lässiges „Boop-Oop-a-Doop“ ablässt.

Die Animationen sind handgezeichnet, superflüssig und strotzen vor Liebe zum Detail. Wenn Gegner das Zeitliche segnen, geschieht das in Slapstick-Animationen, die so herrlich morbide geraten sind, dass man sich fast schämt, darüber zu lachen. Und eigentlich passen Blutfontänen und explodierende Köpfe nicht zu der Ära, auf die sich die Ästhetik bezieht. Genau dieser Widerspruch macht jedoch den Reiz aus – ein Anachronismus par excellence.

Wenn euch schon der Trailer nicht anspricht, könnt ihr das Spiel gleich wieder vergessen. (Mouse: P.I. For Hire Test)Auf YouTube ansehen

Ist das noch ein Boomer Shooter?

Spielerisch ist Mouse: P.I. ein Kind seiner Zeit – und damit meine ich die 90er. Wir bewegen uns in der Tradition der Run-&-Gun-Shooter. Das bedeutet: Stillstand ist keine Option. Wir rutschen, springen und dashen durch die Gegend, während wir ein Arsenal bedienen, das so skurril wie effektiv ist. Natürlich gibt es Standardwaffen wie Pistolen oder Schrotflinten, aber eben auch Wummen wie den Devarnisher, der Feinde nicht einfach wegbläst, sondern ihre Haut schmelzen lässt.

Mit steigender Spieldauer verbessert ihr euer Arsenal, in dem ihr unter anderem Blaupausen sammelt, aber Pepper Jack lernt auch neue Fähigkeiten wie den Doppelsprung oder den Einsatz eines Greifhakens. Das soll das Gameplay langfristig frisch halten. Gleiches gilt für die Detektivarbeit, die allerdings so simpel ausfällt, dass sie ihren Namen kaum verdient. Die Ermittlungen dienen eher als Pacing-Element, um zwischen den rasanten Schießereien kurz Luft zu holen.

Es gibt einen Hub, zu dem ihr regelmäßig zurückkehrt, um im Büro Hinweise und Indizien auf eine Tafel zu pinnen und zu verknüpfen. Eure grauen Zellen bleiben davon jedoch unberührt, da ihr lediglich ein wenig herumklicken müsst. Das ist verschenktes Potenzial, und ich frage mich, warum es überhaupt integriert wurde. Reine Spielzeitstreckung? Im Hub warten außerdem Questgeber und NPCs, mit denen ihr euch unterhalten könnt, und ein Shop für Upgrades und Items darf natürlich nicht fehlen.

Ansonsten ist das Spiel ziemlich simpel und linear aufgebaut. Ihr bewegt euch im Grunde von einem Bereich zum nächsten, schaltet Gegner aus und öffnet damit den Weg in den nächsten Abschnitt, wo sich das Ganze wiederholt. Manchmal ist der Comic-Genozid aber nicht der richtige Türöffner. Dann müsst ihr Schlüssel finden, brüchige Wände mit Dynamit sprengen oder Schlösser knacken. Gerade das Lockpicking setzt sich angenehm von anderen Spielen ab. Ihr führt einen Draht durch das Schloss und hebt dabei mehrere Pins an, wobei sich der Draht selbst blockieren kann, falls ihr den falschen Weg durch den Zylinder wählt.

Die Präsentation macht den Unterschied

Fumi Games hat verstanden, dass Waffen in einem klassischen Ego-Shooter Charakter brauchen. Das Geballer fühlt sich einfach gut an, dass Trefferfeedback ist schön und die Sounds angenehm knackig. In den Einstellungen lässt sich der Abmischung anpassen, je nachdem, ob man eher einen modernen Highend-Klang oder eine bassarme Nostalgie-Mittelwellenradio-Ästhetik bevorzugt. Der Swing- und Jazz-Soundtrack klingt aber immer höchst stimmungsvoll und unterstreicht die Action perfekt. Und wenn wir schon dabei sind, sollten die verschiedenen Grafikfilter nicht unerwähnt bleiben. Ihr könnt dem Bild mit Filmkorn und typischen Zelluloid-Unreinheiten deutlich mehr „Flavor“ verleihen.

Technisch macht Mouse: P.I. einen mehr als sauberen Eindruck: Auf PC, Xbox und PS5 sind bis zu 120 FPS drin. Die Nintendo Switch 2 kommt auf bis zu 60 FPS, während das Steam Deck bei etwa 40 FPS landet. Was mich an der Präsentation irgendwann gewurmt hat, ist die Schwarz-Weiß-Optik. Ob ein Farbmodus irgendwann freigeschaltet oder nachgereicht wird? Keine Ahnung, aber auf Dauer nutzt sich der monochrome Stil für mich einfach ab, auch wenn es die Präsentation ist, die das Spiel einzigartig macht.

Apropos: Die einzelnen Levels sind visuell stark und angenehm abwechslungsreich gestaltet – egal, ob ihr euch durch eine brennende Oper, ein Spukschloss oder ein futuristisches Labor ballert. Dazu kommen zahlreiche versteckte Abzweigungen, die euch mit Geld, Collectibles und nützlichen Blaupausen belohnen. Stark sind auch die kreativen Bosskämpfe, die sowohl spielerisch als auch visuell klar hervorstechen. Bei den Standardgegnern fehlt es dagegen an Abwechslung, da sie sich insgesamt zu häufig wiederholen.

Angaben zum Test:

Mouse: P.I. For Hire wurde auf PC und Steam Deck getestet. Die Spielzeit lag bei rund 12 Stunden. Wer wirklich alles sehen und freischalten möchte, kann noch einmal etwa die Hälfte obendrauf rechnen. Das Testmuster wurde von Valve über Steam zur Verfügung gestellt.

Mouse: P.I. For Hire – Testfazit:

Ich schwanke ähnlich wie bei Replaced, weil beide Spiele spürbar von einer strafferen Inszenierung profitiert hätten. Auch bei Mouse: P.I. hat im letzten Drittel meine Motivation merklich nachgelassen, und ich habe das Finale eher noch „mitgenommen“, statt ihm entgegenzufiebern. Der Humor ist stellenweise flach, funktioniert aber trotzdem überraschend oft und stützt den eigenwilligen Charme, der sich als roter Faden durch das gesamte Spiel zieht. Wer sich wie ich primär vom Artstyle und Humor tragen lässt, wird genug tolle Momente erleben, um vier Sterne zu rechtfertigen.

In der einen Sekunde bin ich genervt, weil ich schon wieder einen Raum „säubern“ muss, um weiterzukommen, doch im nächsten Moment folgt ein richtig starker Bosskampf, anschließend ein Dialog, der mich zum Lachen bringt – und schon bin ich wieder happy. Unterm Strich bleibt Mouse: P.I. aber ein Nischentitel. Wenn euch der visuelle Stil nicht anspricht, könnt ihr das Spiel guten Gewissens ignorieren.

Mouse: P.I. For Hire
PRO CONTRA
  • Genialer Comic-Artstyle der 30er Jahre
  • Motivierende Bosskämpfe
  • Optisch abwechslungsreiche Levels
  • Cooles Waffenarsenal
  • Hervorragender Jazz- und Swing-Soundtrack
  • Detektiv-Elemente spielerisch belanglos und simpel
  • Wenig Abwechslung bei den Standard-Gegnern
  • S/W-Stil wirkt auf Dauer eintönig

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